Am 16. März 2023 verabschiedete der spanische Kongress in Madrid ein neues Tierschutzgesetz. Es ist das erste nationale Tierschutzgesetz, gilt für ganz Spanien und steht über den regionalen Tierschutzgesetzen.
Im Entwurf waren die Jagd- und Gebrauchshunde integriert, das verabschiedete Gesetz schließt sie letztendlich aber aus. Wie kam es dazu?
Der Weg zum neuen Tierschutzgesetz
Bereits 2017 legte die Linkspartei Podemos im spanischen Parlament einen Entwurf für eine Gesetzesänderung vor. Tiere sollten als fühlende Wesen anerkannt werden. Der Entwurf blieb allerdings unbeachtet.
Die Parlamentswahlen von 2019 ergaben ein Patt zwischen der Linken und der Rechten Spaniens. Am 7. Januar gelang es dann, eine linke Koalitionsregierung aus der sozialdemokratischen Partei PSOE und der Linkspartei Podemos zu bilden.
Jetzt war also die Partei, die bereits 2017 versucht hatte, Tiere besser zu stellen, an der Regierung beteiligt. So konnte eine Änderung im Bürgerlichen Gesetzbuch durchgesetzt werden: Seit dem 5. Januar 2022 sind in Spanien Haustiere keine Objekte mehr, sondern werden als fühlende Wesen anerkannt.
Podemos legte im Folgenden den Entwurf zu einem gänzlich neuen Tierschutzgesetz mit nationaler Gültigkeit vor: Jagd- und Gebrauchshunde sollten mit eingeschlossen werden.
Im Februar 2022 wurde die erste Hürde genommen, als der Entwurf vom Kongress gebilligt wurde. Die PSOE gab allerdings dem Druck der Jagdlobby nach und brachte einen Änderungsantrag ein, der die Jagd- und Gebrauchshunde vom Gesetz ausschließen sollte. Der Gesetzgebungsprozess stand vorerst still, Abstimmungen über den Antrag der PSOE im Kongress wurden immer wieder verschoben. Da das neue Tierschutzgesetz komplett zu scheitern drohte, erklärte sich der kleine Koalitionspartner Podemos schließlich mit der Änderung einverstanden. Es solle nun eine separate Regelung für die Jagd- und Gebrauchshunde erarbeitet werden.
Am 22.12.2022 nahm der Kongress den Änderungsantrag der PSOE an. Am 09.02.2023 wurde das Gesetz vom Kongress angenommen und an den Senat übergeben. Am 09.03.2023 wurde das Gesetz vom Senat mit knapper Mehrheit gebilligt, ging allerdings mit einigen Änderungen an den Kongress zurück. Am 16.03.2023 verabschiedete der Kongress schließlich das neue Tierschutzgesetz. Am 29.03.2023 wurde das Gesetz im spanischen „Staatsanzeiger“ (Boletín Oficial del Estado) veröffentlicht. Sechs Monate nach diesem Datum tritt es dann in Kraft.
Die Jagd- und Gebrauchshunde bleiben ausgeschlossen.
Außerdem wurde die Reform des Strafgesetzbuches angenommen. Haftstrafen können nun in Geldstrafen umgewandelt werden. Die Rechtsmittel, die Tierschützer*innen bei Tiermissbrauch anwenden konnten, wurden entkräftet. Es ist jetzt kaum noch möglich, Misshandlung, schlechte Haltung oder mangelhafte Versorgung zur Anzeige zu bringen bzw. angemessene Strafen zu erwirken. Die Kriminalisierung von Tiermisshandlung wurde aufgehoben, wenn durch die Misshandlung keine tierärztliche Behandlung erforderlich wird. Heißt, sexueller Missbrauch von Tieren war vor der Reform strafbar und ist nun wieder straffrei.
Worum geht es in dem Gesetz?
Zweck des Gesetzes ist die Schaffung einer grundlegenden rechtlichen Regelung für ganz Spanien. Haustiere und Wildtiere in Gefangenschaft sollen geschützt, ihre Rechte gewährleistet, und das Wohlergehen soll sichergestellt sein. Ausgenommen vom Gesetz sind:
„Tiere, die bei Stierkampfveranstaltungen eingesetzt werden. (…) Nutztiere, (…) es sei denn, der Halter entschließt sich, Nutztiere als Heimtiere registrieren zu lassen. (…) Versuchstiere für Tierversuche und andere wissenschaftliche Zwecke. (…) Wildtiere, es sei denn, sie befinden sich in Gefangenschaft. (…) Tiere, die für bestimmte Tätigkeiten verwendet werden, wie z.B. sportliche Aktivitäten, Falknerei, Hüte- und Schutzhunde. Tiere, die für berufliche Tätigkeiten verwendet werden, wie Rettungshunde, Begleittiere, Falknerhunde, Schäferhunde und Hütehunde für die Viehzucht. (…) Tiere der Sicherheits- und Streitkräfte (…) Jagdhunde, Jagdhundestaffeln und Jagdhilfstiere. Sie alle werden durch die entsprechenden europäischen, staatlichen und regionalen Regelungen geschützt, die außerhalb dieses Gesetzes auf sie anwendbar sind.“
Quelle: BOE – Boletín Oficial del Estado Núm.75 | „offizieller Staatsanzeiger“ Nummer 75, Mittwoch, 29. März 2023 | Gesetz 7/2023 vom 28. März über den Schutz der Rechte und das Wohlergehen der Tiere. https://www.boe.es/boe/dias/2023/03/29/pdfs/BOE-A-2023-7936.pdf
Die wichtigsten Änderungen und Vorschriften
Soweit ein Auszug zu den markantesten Änderungen.
Das sind zum Teil gute und wichtige Punkte, manche längst überfällig. Sie gelten allerdings nur für Haustiere, nicht für Nutztiere, nicht für Wildtiere in Freiheit und nicht für die Jagd- und Gebrauchshunde.
Für die Tiere im Anwendungsbereich bringt dieses Gesetz bedeutende Verbesserungen in Bezug auf Schutz und Wohlergehen. Allerdings lässt dieses Gesetz die ausgeschlossenen Tiere schutzlos zurück. Durch den expliziten Ausschluss der Jagd- und Gebrauchshunde und die gleichzeitige Schwächung des Strafgesetzbuches haben die Jäger kaum mehr empfindliche Strafen zu fürchten, wenn sie Hunde schlecht behandeln, aussetzen oder wie Müll entsorgen. Bereits kurz nach Verabschiedung des neuen Gesetzes ist eine Veränderung sichtbar. In spanischen Tierheimen landen mehr Hunde in immer schlechterem Zustand. Die Jäger verstecken sich nicht mehr, sondern zeigen offen, dass sie keine Strafen zu befürchten haben.
Die spanischen Tierschützer*innen sind frustriert und niedergeschlagen. Bis zuletzt gab es leise Hoffnung, dass die Jagd- und Gebrauchshunde doch noch ins Gesetz aufgenommen werden. Doch diese Hoffnung wurde enttäuscht – obwohl sie alle Kräfte mobilisiert haben, mit Protesten auf den Straßen Spaniens gegen den Ausschluss der Jagdhunde demonstriert und mit der Kampagne #MismosPerrosMismaLey („gleiche Hunde, gleiches Gesetz“) das Thema in die Städte gebracht und große Solidarität in den sozialen Netzwerken erfahren haben. All das konnte den Ausschluss der Jagd- und Gebrauchshunde nicht verhindern. Der Kampf gegen das Leid der Jagdhunde wurde mit dem neuen Tierschutzgesetz um Jahrzehnte zurückgeworfen.
In folgendem Interview vom Mai 2023 schildert Patricia Almansa Ponce, Vorsitzende von Galgos del Sur in Córdoba, die aktuelle Situation wenige Monate nach Verabschiedung des Gesetzes.

Berlin, 4. Mai 2023
Interview für den Podcast Jaspers Abenteuer – Leben mit einem Galgo, Folge 23 „Spaniens neues Tierschutzgesetz“
CR:
Wie hast Du den Tag erlebt, an dem das Gesetz verabschiedet wurde?
Patri:
Am Anfang hatten wir ein wirklich gutes Gefühl. Die Dinge, die sie wollten, klangen gut. Aber dann erkannten wir, dass das alles nur Rauch war, weil die Politiker kein Interesse daran haben, Spanien auf diese Weise zu verändern. Letztendlich ist das Gesetz nutzlos. Es ist nur für Haustiere gemacht. Für die übrigen Tiere gibt es keine Vorschriften. Zum Beispiel für Hunde, die für die Jagd verwendet werden. Oder Wildkatzen, Tiere, die im Zirkus oder in Shows eingesetzt werden. Die haben keinen Schutz. Delfine haben keinen Schutz. Sie bleiben alle im Nichts. Die Tiere, die bereits geschützt sind, weil sie ein Zuhause haben, eine Familie, brauchen keine besondere Aufmerksamkeit. Die haben sie schon. Aber die Halter von Haustieren haben jetzt viel zu tun. Sie müssen z.B. eine Versicherung für ihr Tier abschließen – Jäger aber nicht.
Ein Beispiel: Wenn ein Jäger einen Yorkshire und zwei Podencos hat und die Podencos zur Jagd benutzt, den Yorkshire aber als Haustier hält, dann muss er eine Versicherung für den Yorkshire abschließen, für die beiden Podencos aber nicht. Er kann mit den Podencos machen, was er will. Mit dem Yorkshire nicht. Der muss gechipt, geimpft und entwurmt werden – die Podencos nicht. Aber die Podencos bräuchten das dringender. Es ergibt überhaupt keinen Sinn, wir verstehen das nicht.
Es war ein wirklich langer, langer Weg. Sie haben versucht, mit zu vielen unterschiedlichen Interessengruppen eine Vereinbarung zu treffen, mit Jägern, mit Tierschützern, mit Leuten vom Zirkus, mit Leuten von den Zoos. Mit zu vielen, denke ich. Aus dem starken Entwurf vom Anfang wurde immer mehr gelöscht, gelöscht, gelöscht und am Ende blieb nichts übrig.
Ich muss sagen, zuerst glaubte ich an das Gesetz, ich glaubte an das Projekt. Aber dann habe ich erkannt, dass sie uns Tierschützer nur benutzen wollen. Ich war schwer enttäuscht. Es gibt in Spanien eine Menge Organisationen wie unsere, die genauso enttäuscht wurden.
Das Gute ist aber, dass wir uns jetzt organisieren und nach einem anderen Weg suchen, um die Rechte zu bekommen, die diese Hunde im Moment verlieren.
CR:
Ich habe den Prozess von außen beobachtet, von Deutschland aus. Zu verstehen, was vor sich geht, ist sehr schwierig für uns hier. Ich habe gelesen, dass Podemos sagte, Okay, jetzt sind die Jagdhunde zwar draußen, aber sie werden eine separate Regelung für die Jagdhunde machen. Ist das richtig, oder habe ich das missverstanden?
Patri:
Das stimmt, das wird aber nicht von Podemos gemacht, sondern von der PSOE mit dem Landwirtschaftsminister. Dieser Mann ist für die Jagd und steht komplett unter dem Einfluss der Jagdlobby. Wir wissen, dass diese Regelungen für die Hunde wirklich hart sein werden.
In Spanien haben wir, wie in Deutschland, einzelne Regionen, und jede davon hat ihre eigenen Regeln. Die Tiere waren bisher unter dem Schutz der regionalen Tierschutzgesetze. Bevor das neue Gesetz kam, haben einige regionale Parteien oder Regionalregierungen versucht, die Jagdhunde aus dem Schutz des regionalen Gesetzes herauszunehmen.
Das große Problem jetzt ist, dass das neue Gesetz ein nationales ist. Die regionalen unterstehen diesem und müssen angepasst werden. Und das nationale Gesetz schließt die Jagd- und Gebrauchshunde aus. Damit wurde eine riesige Tür geöffnet, um das zu machen, was sie bisher nur versucht haben.
Es ist schrecklich mit diesem Gesetz. Der eine Hund bekommt Schutz und zählt etwas, weil er mit im Haus lebt, aber der andere, der für eine Aufgabe verwendet wird, ist nicht geschützt und zählt nichts. Ich kann mit diesem Hund alles machen, was ich will, und dieser Hund ist nicht geschützt.
Die Jäger wollten das schon lange. Sie haben es immer versucht, aber jetzt wurde dem Ganzen Tür und Tor geöffnet.
Wir sind mit anderen Organisationen und einem juristischen Team in Kontakt, und die suchen nach einem Weg, dieses schreckliche Gesetz zu stoppen.
CR:
Gibt es noch irgendeine Hoffnung, es zu stoppen?
Patri:
Das ist wirklich schwierig. Unsere Hoffnung liegt in Europa, in der Europäischen Union. Das ist die größte Hoffnung, weil das Gesetz völlig gegen die Regeln der EU ist.
CR:
Diese Regeln sind sogar im Gesetzestext zitiert.
In der Präambel zum Tierschutzgesetz heißt es:
„In Spanien wird immer deutlicher, dass sich die Öffentlichkeit der Notwendigkeit bewusst wird, den Schutz der Tiere im Allgemeinen und den Schutz der Tiere, die in der menschlichen Umwelt leben, im Besonderen zu gewährleisten, da sie empfindungsfähige Wesen sind, deren Rechte gemäß Artikel 13 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union zu schützen sind.
So haben die Autonomen Gemeinschaften und die Gemeinderäte die Notwendigkeit bekräftigt, Regelungen zu entwickeln, die in diesem Bereich Fortschritte machen.
Die Ablehnung von Situationen, in denen Tiere misshandelt werden, hat zu einem heterogenen Regelwerk geführt, das den Schutz der Tiere verbessert, je nach dem territorialen Geltungsbereich, in dem sie sich befinden.
Der Begriff „Tierschutz", der von der Weltorganisation für Tiergesundheit als „der physische und psychische Gesundheitszustand eines Tieres in Bezug auf die Bedingungen, unter denen es lebt und stirbt“, definiert wird, wurde in eine Vielzahl nationaler und internationaler Rechtsvorschriften aufgenommen.
So heißt es in dem bereits erwähnten Artikel 13 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union, dass der Zustand eines Tieres in Bezug auf die Bedingungen, unter denen es lebt und stirbt, berücksichtigt werden muss. Die Europäische Union erklärt, dass die Tatsache, dass Tiere fühlende Wesen sind, „bei der Festlegung und Durchführung der Politik der Union in Bezug auf Tiere in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei, Verkehr, Binnenmarkt, Forschung und technologische Entwicklung sowie Raumfahrt..." zu berücksichtigen ist.
Der Eigentümer, der Besitzer oder der Inhaber eines anderen Rechts an einem Tier ist verpflichtet, seine Rechte an dem Tier und seine Sorgfaltspflichten wahrzunehmen, die Qualität des Tieres als empfindungsfähiges Wesen und sein Wohlergehen entsprechend den Merkmalen jeder Art und den in dieser und anderen geltenden Verordnungen festgelegten Beschränkungen zu achten.
Das Hauptziel dieses Gesetzes besteht nicht so sehr darin, das Wohlergehen der Tiere zu garantieren, sondern vielmehr darin, ihr Wohlergehen zu gewährleisten, indem es die ihnen gebotenen Bedingungen bewertet, die Anerkennung und den Schutz der Würde der Tiere durch die Gesellschaft. Es regelt also „Tiere nicht nur als ein weiteres Element unserer Wirtschaftstätigkeit, (…), sondern unser Verhalten ihnen gegenüber als Lebewesen in der Gesellschaft.“
Patri:
Wenn man das liest, denkt man, dieses Gesetz wird so toll sein, fantastisch! Und dann ist da nichts. Du sagst: Was?! Sie erzählen mir eine Menge Dinge, die richtig sind. Aber dann fragst du dich, wo stehen sie im Gesetz? Völlig vergessen. Schließlich ist davon nichts übrig geblieben.
Ja, wir müssen weiterkämpfen, wir müssen weiterkämpfen.
Seit ich mit dem Tierschutz angefangen habe, kämpfe ich, und ich denke, wir werden nicht aufhören, denn das Gesetz ist ein Rückschritt um 20 Jahre.
CR:
Habt ihr noch Kraft zu kämpfen?
Patri:
Ja, haben wir. Ich bin sehr, sehr müde und enttäuscht. Aber ich brauche nur in die Gesichter und Augen meiner Galgos in meinem Tierheim zu schauen, und ich weiß, dass ich muss. Ich muss weiterkämpfen. Wenn wir es nicht tun, wer dann?
CR:
Ja, wer sonst?
Patri:
Die Jagdlobby in Spanien ist sehr stark. Sie haben eine Menge Macht. Wir müssen wirklich hart gegen diese Leute kämpfen, denn es gibt zweierlei: die normalen Leute, wie Du und ich, die Steuern zahlen und nach den Regeln leben. Aber das gilt nicht für sie. Wenn sie jagen wollen, können sie das. Wenn sie 400 Tiere töten wollen, können sie das.
Es gibt im Moment in Spanien ein großes Problem mit kleinen Tieren und dem Gleichgewicht des Ökosystems. Es ist komplett kaputt, weil sie diese kleinen Tiere – ich komme jetzt nicht auf ihren englischen Namen – alle töten. Und dann sagen die Jäger: „Wir müssen jagen, und Spanien braucht uns, weil wir die Population der Tiere kontrollieren müssen.“ Was?! Die Natur regelt das allein. Ihr müsst gar nichts tun! Ihr habt das ganze System kaputt gemacht, das ist die Realität.
Aber das sind Leute in hohen Positionen, die haben wirklich Macht.
Ja. Wir versuchen, uns zu organisieren. Die Schlacht haben wir verloren, aber nicht den Krieg.
CR:
In deiner Arbeit bei Galgos del Sur siehst Du so viele schlimm verletzte Hunde, misshandelt oder durch einen Unfall verletzt oder in schlechtem Zustand aufgrund von Vernachlässigung. Hat sich jetzt, nachdem das Gesetz verabschiedet wurde, etwas geändert? Seht Ihr mehr Hunde, mehr Grausamkeit? Eine andere Qualität von Grausamkeit?
Patri:
Mehr, mehr. Es ist jetzt völlig frei, die Jäger können machen, was sie wollen.
CR:
Zeigt sich das an den Hunden?
Patri:
Ja. Seit letztem Jahr, als klar wurde, dass wir nichts mehr ändern können. Wir bekamen mehr und mehr Hunde in wirklich schlechtem Zustand. Früher haben uns die Besitzer ihre Hunde nie direkt übergeben. Sie haben sie ausgesetzt oder in einer Perrera, einer Tötungsstation, abgegeben. Aber jetzt…, jetzt nehmen sie Kontakt zu uns auf. Einer übergab uns einen Hund, und wir fragten: „Was ist mit diesem armen Hund passiert?“ Und er sagte: „Ich habe diesen Hund nicht benutzt. Und natürlich will ich für diesen Hund kein Geld ausgeben.“
Oder ein anderes Beispiel: Vor zwei Monaten haben wir einen Galgo gerettet, Joey. Er hatte einen Unfall, und sein Bein war gebrochen. Der Besitzer hatte sich vorher bei uns gemeldet, er wolle erstmal abwarten, ob der Hund von alleine wieder gesund wird. Als er aber sah, dass der Hund nicht von alleine gesund wurde, hat er uns angerufen und gesagt: „Okay, nehmt diesen Hund.“ Wir haben ihn gefragt: „Hey, warum bringst Du ihn nicht zum Tierarzt? Es ist dein Hund, Du musst das tun.“ Und er sagte nur: „Nein, weil das Bein gebrochen ist. Und wenn der Hund wieder gesund ist, werde ich ihn nicht benutzen. Ich gebe kein Geld für einen Hund aus, den ich nicht gebrauchen kann.“ Sie sagen dir das jetzt direkt ins Gesicht.
Und auch die Reform des Strafgesetzbuches ist eine totale Katastrophe. Etwas, das vorher falsch und verboten war, ist jetzt völlig frei – also erlaubt. Wie die Zoophilie, wenn jemand eine Beziehung mit einem Tier hat.
CR:
Du meinst sexuellen Missbrauch?
Patri:
Ja .
CR:
Das ist ein Punkt, den ich nie verstehen werde. Früher war es, einfach gesagt, verboten – und jetzt ist es erlaubt.
Patri:
Ja. Es ist erlaubt. Nur wenn der Hund oder das Tier danach tierärztliche Betreuung braucht, ist es verboten.
CR:
Wie kann man das erklären? Wer kann das wollen?
Patri:
Ich kann es nicht, ich kann es nicht erklären. In meinem Kopf gibt es keinen Platz dafür. Ich kann es nicht verstehen … Wirklich, ich kann es nicht verstehen. Sie sagten, wir brauchen mehr Strafen, härtere Strafen. Und dann ist nichts passiert.
Noch ein Beispiel: wir haben zwei Prozesse gegen einen Jäger gewonnen. Mit diesem neuen Gesetz verlieren wir aber. Wir verlieren komplett und können nichts machen. Das neue Gesetz ist unglaublich. Noch vor einem Jahr musste der Jäger für drei Jahre ins Gefängnis und 6000 € Strafe zahlen. Das ist natürlich nichts, aber es ist das Maximum, was das Gesetz als Strafe vorsah. Aber jetzt ist es wirklich nichts. Vielleicht können wir mit sehr viel Glück eine Strafe von drei Monaten erwirken. Das ist unglaublich. Letztendlich haben wir kein Mittel mehr zum Kämpfen.
Tierschutzorganisationen in Spanien sind nur noch zum Retten von Hunden da. Retten, retten, retten, retten und dann ein Zuhause finden. Und wenn wir dieses Zuhause in anderen Ländern finden, umso besser. Das ist unsere Aufgabe. Vorher hatten wir mehr Werkzeuge. Aber jetzt ist es fast unmöglich, gegen die Jäger vorzugehen.
CR:
Die Situation ist also mit dem neuen Gesetz viel schlechter als vorher mit den alten Gesetzen, den regionalen Gesetzen.
Patri:
Ja. Ja, wirklich. Wirklich schlimmer.
CR:
Was wird als nächstes passieren? Was erwartest Du von der Zukunft?
Patri:
Für die Zukunft hoffe ich, dass wir die Hilfe der Europäischen Union bekommen. Wir sind eine Union von Ländern, aber natürlich ist der Kopf von allen in Europa die EU, und Spanien ist stark von der EU abhängig. Wir hoffen wirklich, dass wir ihre Hilfe bekommen, denn wenn nicht, müssen wir wieder so kämpfen, wie vor 20 Jahren. Und sehr viele Organisationen sind so müde, weil wir schon seit langer, langer Zeit kämpfen. Wir müssen wieder bei null anfangen. Es ist so schwierig, aber wir versuchen es. Wir stehen auf und versuchen es.
CR:
Also kommen noch weitere Jahre mit Kämpfen.
Patri:
(lacht) Ja.
CR:
Was kannst Du mir über die vereinten Kräfte im spanischen Tierschutz sagen?
Patri:
Wir versuchen, zusammen mit anderen Organisationen, eine Föderation auf die Beine zu stellen, eine starke Tierschutzorganisation. Im Moment ist es nur eine Idee. Wir kommunizieren untereinander, und wir haben eine Vereinbarung getroffen, Ziele formuliert. Im Moment haben wir die gleiche Idee. Ich denke, das einzig Gute, das uns das Gesetz gebracht hat, ist diese neue Organisation. Wir hoffen, dass sie helfen wird, weil wir von der Vereinigung der Jäger lernen, und die sind richtig gut organisiert. Und wir werden das Gleiche tun. Wir versuchen auch, eine Lobby zu sein. Das ist wirklich wichtig.
Und natürlich sind wir gemeinsam stärker. Für uns sind die juristische Arbeit und der juristische Kampf sehr wichtig. Wir versuchen alles, um das schreckliche Gesetz wieder loszuwerden.
CR:
Eine letzte Frage: Du hast mir erzählt, wie sich die Jäger jetzt verhalten. Sind alle Jäger gleich oder gibt es auch welche, mit denen ihr zusammenarbeitet?
Patri:
Nein. Die meisten Jäger sind gleich. Das Selbstverständnis der Jäger in Spanien ist, dass sie das Recht haben, das zu tun. Das ist wie, ich weiß nicht, wie göttliches Recht oder so etwas. So fühlen sie sich. Und es ist sehr schwierig, sich mit diesen Menschen zusammenzusetzen und über die Probleme zu sprechen.
Zum Beispiel die ausgesetzten Hunde, die Hunde in sehr schlechtem Zustand … Sie wissen davon, alle Jäger wissen davon. Man kann zwar nicht sagen, dass alle Jäger ihre Hunde schlecht behandeln, aber wenn es einen gibt, der sich um seine Hunde kümmert, weiß der von 10 oder 20 anderen, die ihre Hunde schlecht behandeln. Und er sagt nichts.
CR:
Also ist er selbst im Moment nicht das Problem, aber er kennt das Problem.
Patri:
Genau, er weiß es. Aber sie sehen es nicht als Problem, weil für sie die Hunde nichts gelten. Ich denke, sie glauben wirklich, dass sie die Lösung für das Gleichgewicht in der Natur, im Ökosystem sind, und das ist so dumm. Sie sind das Problem, nicht die Lösung.
Es ist wirklich sehr schwer, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen und zu versuchen, über die Probleme zu diskutieren, weil sie nicht das Gefühl haben, dass es echte Probleme gibt.
CR:
Okay, verstehe.
Patri:
Ich hoffe, Du verstehst jetzt ein bisschen, was mit dem Gesetz passiert ist.
CR:
Ja, am Anfang sah es sehr, sehr gut aus. Der Entwurf von Podemos war ein guter Entwurf, denke ich. Mit Jagd- und Arbeitshunden und Hunden, die Menschen retten usw. Doch leider hat die PSOE sie ausgeschlossen.
Ich glaube, einer der Gründe dafür ist, dass sie Angst vor den nächsten Wahlen haben.
Patri:
Ja, es geht nur um die Wahlen. Das Problem ist, wenn zwei Parteien in einer Regierung sind: Die Partei, die den Vertrag bricht, ist in der Wahl verloren. Weder Podemos noch die PSOE wollen den Koalitionsvertrag brechen, aber sie wollen auch nicht zusammen regieren. Sie benutzen viele Fragen, wirklich wichtige Fragen, für einen internen Machtkampf. Nicht nur das Tierschutzgesetz, zum Beispiel auch ein neues Gesetz zur sexuellen Freiheit der Frau. Oder sie kämpfen mit der Wasserknappheit, weil es in Spanien Teile gibt, die haben Wasser, und andere brauchen Wasser. Und mit diesem Werkzeug kämpfen sie um die Macht.
Sie benutzen eine Menge wirklich wichtiger Fragen für die Menschen…
CR:
… um die Macht zu behalten.
Patri:
Ja, natürlich. Genauso haben sie die Tiere benutzt. Es war wirklich eine sehr große Enttäuschung, weil das Gesetz zuerst okay war, nicht perfekt. Nichts ist perfekt, aber …
CR:
Es hätte ein sehr guter Anfang sein können, mit den Jagd- und Gebrauchshunden inbegriffen.
Patri:
Ja, aber …
CR:
… jetzt sind es viele, viele Schritte zurück. Jahrzehnte.
Patri:
Ja, viele. So viele. Und die Folgen sind so schrecklich. Aber wir müssen kämpfen. Eure Unterstützung ist für uns so wichtig. Du kannst dir vorstellen, wie wichtig. Denn wir sind ganz alleine.